Newsletter bestellen

Lassen Sie sich immer sofort und ganz bequem via unserem kostenlosen Newsletter über neue Beiträge benachrichtigen! Einfach Vornamen und Mailadresse in das untenstehende Formular eintragen.

Ihre Anmeldedaten, die u.U.nicht einmal personenbezogen sind, werden ausschließlich automatisiert gespeichert und nach dem Gebot der Datensparsamkeit ausschließlich für diesen Newsletter benutzt. Sie können Ihre Einwilligung in den Erhalt dieses Newsletters selbstverständlich jederzeit widerrufen.





Viewing posts categorised under: Usa

"Urschriftlich zurück und bitte keine Textbausteine, die nicht zu meinen Fragen passen"

Irgendwann kommt der Punkt, wo man sich - rein bildlich gesprochen - fragt, ob man mit dem Kopf rhytmisch auf die Tischplatte schlagen oder ... naja, lassen wir das. Schließlich kam heute wieder ein Fax einer Abmahnkanzlei, die seit November nichts mehr von sich hören lies. Ein Anwalt der Kanzlei rief mich damals an, nicht, um einen Vergleich auszuhandeln, sondern weil er die Frage in meinem letzten Schreiben nicht verstanden hatte:  

Supreme Court: "Schnäppchen vom Staatsanwalt" vs. "Anwaltsfehler"

Die New York Times berichtet von einem interessanten Fall, den das Supreme Court nun beschäftigt: Ein Mann hatte eine Frau erschossen. Der Anwalt sagt ihm "ach was, plädier mal ruhig auf schuldig, wir sagen dann, dass Du sie schließlich nur 4 Mal unterhalb der Hüfte mit Deinem Großkaliber getroffen hast, also war das kein Vorsatz. Und was macht der Mann? Geht hin und plädiert auf schuldig - und bekommt 15-30 Jahre wegen (vorsätzlichen) Mordes. Kein Witz, wirklich so gewesen! Das das nicht unbedingt der cleverste Rat war, kann man sich auch als Laie des Strafrechtssystems in den USA lebhaft vorstellen. Dass man mit der Ausrede "och, daneben ist halt nicht drin und nur drin ist Vorsatz" weder Fahrlässigkeit oder "Schusseligkeit" wirklich glaubhaft machen kann - und wir reden ja von 4 Schüssen! - wäre selbst einem geistigen Quäker aufgegangen. Jetzt klagt er auf Anwaltsfehler, da ihm nicht gesagt wurde, dass die Staatsanwaltschaft "4-7 Jahre" angeboten hatte, was er nicht wußte. In einem anderem Fall wurde der Mandant nicht aufgeklärt, dass er für seine (Verkehrsstraf)Tat auf schuldig "wegen kleinerem Vergehen" plädieren sollte - dann nur 90 Tage ins Gefängnis gemusst hätte, wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis! Das hatte der Anwalt aber dem Mann verschwiegen. So bekam er 3 Jahre Haftstrafe, da er die Annahmefrist für das Angebot der Staatsanwaltschaft verpasst hatte. Und in der Tat beschäftigt sich kein geringeres als das Supreme Court nun damit, da das "plea bargaining" - also das Schnäppchengeschacher um eine möglichst günstige Verurteilung" - so eigentlich dem 6ten Verfassungsgrundsatz widerspricht. Insofern stellt sich die Frage, inwieweit die nicht "wahrgenommenen" Schnäppchen der Staatsanwälte hier die Auswirkung eines Anwaltsfehlers waren. Dementsprechend wird das Verhandeln von Strafen  insgesamt diskutiert, denn es gehe zu, wie auf einem Bazar und über 97% der Fälle würden über solche "Angebote"- wenn sich der Angeklagte schuldig bekennt- geschlossen. Wie sollen sich also Anwaltsfehler hierauf auswirken können, wenn der Angeklagte die Schuld eingesteht? Das wird jedenfalls nun erst einmal vor dem Supreme Court diskutiert. Wann eine Entscheidung zu erwarten ist und wie diese ausfällt, werde ich beobachten und im Nachgang berichten.    

…"geschnitten oder am Stück?" – Anwaltskanzleien werden scheibchenweise verkauft

Was wie der Anfang eines schlechten Anwaltswitzes klingt, wurde unter dem Titel "Selling pieces of law firms to investors" sehr ernst gemeint von der New York Times beschrieben, auch wenn diese - sehr untypisch für deren Berichterstattung - spaßeshalber das Bild von einem Einkauf bei Walmarkt zeichnet "ja, und dann nehm ich noch von dem Anwalt".

Der Witz ist jedoch schon Wirklichkeit!  

Anregung auch für deutsche Gerichte?

Die New York Times berichtet, dass in den USA das Reporters Committee for Freedom of the Press das US Supreme Court scharf kritisiert hat. Hintergrund ist, dass sämtliche Unterlagen eines Gerichtsprozesses in den USA öffentlich sein sollen, damit mehr Transparenz geschaffen wird.

"every document filed in or by the court “shall be available to the public for inspection” unless it orders that the document be sealed. That presumption of openness would be in the interest of everyone — the Supreme Court, lawyers who practice before the court, scholars who study the court and, of course, the American public."
Stein des Anstoßes ist, dass die Zahl der "versiegelten" - also nicht öffentlich einsehbaren- Akten in den letzten 18 Jahren von 2 auf 24 pro Amtszeit gestiegen ist (von insgesamt 9.066 Fällen wohlgemerkt!).
"While the fraction remains tiny, the increase is disturbing."
Das Committee findet die Zahl zwar gering, jedoch wird dieser Anstieg als verstörend hoch angesehen. In Deutschland sind zwar die Urteile öffentlich, müssen jedoch geschwärzt werden. Es wäre mit Sicherheit auch interessant, die Schriftsätze zeitweilen einsehen zu können - wie geschehen in einem Fall, in dem eine deutsche Anwaltskanzlei, die für eine Vielzahl von Abmahnungen bekannt ist, nun schriftsätzlich in einem Verfahren in den USA zu einer IP-Ermittlungsfirma Stellung beziehen musste - und es sich herausstellte, dass diese Kanzlei zugab, dass die Firma falsch nicht so ganz richtig ermittelt hatte haben könnte und nun auch Zweifel an der Richtigkeit der dementsprechend ausgefertigten Abmahnungen aussprach! Es wäre zu schön, wenn auch in Deutschland in gesamte Akten Einsicht genommen werden könnte. Solange muss man darauf warten, dass hin und wieder Interessantes aus US-Akten auch in Bezug auf Deutsche Fälle gefunden wird.

Heißer Herbst in Sachen Datenschutz in den USA?

Wie die New York Times berichtet, wird es in einem der (Zitat) "wichtigsten Datenschutzprozessen des Jahrzehnts" eine Anhörung vor dem U.S. Supreme Court geben - United States v. Jones, No. 10-1259. Das Gericht soll eine Entscheidung treffen, die in unteren Instanzen sehr unterschiedlich behandelt wurde. Es geht um die Frage, ob die Polizei eine Genehmigung braucht, wenn sie einen Verdächtigen mittels GPS verfolgen möchte und hierfür über Wochen ein Bewegungsprofil erstellt.

"Their answer will bring Fourth Amendment law into the digital age, addressing how its 18th-century prohibition of “unreasonable searches and seizures” applies to a world in which people’s movements are continuously recorded by devices in their cars, pockets and purses, by toll plazas and by transit systems."
  Für alle, die den 4ten Verfassungsgrundsatz nicht sofort parat haben:
The right of the people to be secure in their persons, houses, papers, and effects, against unreasonable searches and seizures, shall not be violated, and no Warrants shall issue, but upon probable cause, supported by Oath or affirmation, and particularly describing the place to be searched, and the persons or things to be seized.
Insofern kann die Entscheidung wirklich wegweisend werden, inwieweit die Érmittlungsbehörden eine Genehmigung gebrauchen und wann dieser Grundsatz wie gebrochen wird. Aber ich denke, dass nicht nur die Ermittlungsbehörden in den USA hier mit Spannung warten, sondern auch viele Betreiber, die ohne Weiteres solche Profile sammeln. Dabei geht es dann jedoch nicht um strafrechtlich relevante Daten, sondern um die Daten von Bürgern, die nur "zu Werbezwecken für Dritte" in Profilen erfasst werden. Jedes Handy meldet inzwischen die Bewegungsdaten - Einen GPS-Sender unter's Auto zu pappen entlockt da schon fast den Ausspruch "sooo 80ties!" Bewegungsprofile via IPhone sind ein Kinderspiel, auch alle anderen Handybetriebssysteme bieten solche Tracking-Möglichkeiten. Allerdings ist die wird die Umsetzung unterschiedlich gehandhabt: Während bei Android z.B. die ausdrückliche Genehmigung für das Tracking vom User erfolgen muss, gibt es andere Anbieter, die sich die Genehmigung durch Freischaltung in AGBs gleich mitbestätigen lassen - ansonsten funktioniert das Betriebssystem gleich gar nicht. Insofern denke ich, dass die Entscheidung in den USA letztendlich auch Auswirkungen auf die Anbieter hier in Deutschland  haben wird- schließlich müssten die Firmen, die Daten in Form von Profiling sammeln, dann weltweit ihre Konzepte nicht nur überdenken sondern auch unter Umständen komplett ändern.

Justiz in den USA kommt auf den Hund!

... und das ist ganz und gar sprichwörtlich zu nehmen! Wie die New York Times berichtete, wurde in einem Verfahren mit einem Golden Retriever einem vergewaltigten Kind bei der Aussage gegen den Vater, der sie gleichfalls geschwängert und vor dem sie große Angst hatte, geholfen. Das Kind konnte den Hund immer dann, wenn sie Panik bekam, kraulen und streicheln, was ihr offensichtlich die schwierige Aussage erst ermöglichte.   Nun gingen die Anwälte der Verteidigung in die Berufung  - wegen "Rosie", dem niedlichen Hund - und haben so die Diskussion über den Staat New York hinaus bundesweit losgetreten, inwieweit Hunde als Zeugenhelfer erlaubt seien. In diversen Staaten ist es schon zu anderen Gerichtsauftritten von Vierbeinern gekommen. Die Verteidigung argumentiert, dass die Hunde die Jury unfair mit ihrer "Niedlichkeit" beeinflussen könnten, egal ob der Zeuge die Wahrheit sage oder nicht, insbesondere da sie von Natur aus Empathieträger seien. Die Staatsanwälte erwidern, dass Hunde ganz entscheidend das Martyrium einer Aussage lindern könnten, insbesondere, wenn es sich um Kinder handele. Schon im Jahr 2003 wurde ein "Zeugenhund" in Seattle in einem Verfahren wegen sexuellem Übergriffes eingesetzt- die Staatsanwältin Ellen O’Neill-Stephens meint, dass der Hund manchmal den Unterschied ausmache zwischen Freispruch und Verurteilung und setzt sich aktiv für den Einsatz von "Zeugenhunden"  http://courthousedogs.com/ ein. Die Verteidigung im oben erwähnten Verfahren sieht das ein wenig anders und argumentiert damit, dass der Hund einfach nur auf unter Stress stehende Menschen reagiere, wobei es egal sei, ob diese unter Stress stehen weil sie die Wahrheit oder die Unwahrheit sagten. Die Juroren könnten dadurch leicht -fälschlich- schlussfolgern, dass der Hund dem Opfer hilft, die "Wahrheit ans Licht zu bringen". Jedes Mal, wenn der Hund gestreichelt werde, würde eine unbewußte Nachricht an die Jury gesendet, dass der Zeuge unter Stress stehe, da er die Wahrheit sage - obwohl dies genau anders herum sein könnte. Super dazu die Feststellung des Verteidigers:

“There was no way for me to cross-examine the dog,” Mr. Martin added.
(Heißt soviel wie "Leider konnte ich den Hund nicht ins Kreuzverhör nehmen") Die Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, dass der Hund nicht inhaltlich die Zeugenaussagen beeinflusse, sondern diese erst ermögliche, insbesondere bei der Aussage furchtbarer Erlebnisse. In einen Verfahren sollte Rosie zwei 5 und 11 Jahre alten Mädchen helfen, die Zeugen der Ermordung ihrer Mutter wurden, eine Aussage zu machen. So weit kam es in jenem Fall nicht, da der Täter ein Geständnis gemacht hatte. Jedoch ist die Pro und Contra-Argumentation bezüglich des Einsatzes von Zeugenhunden in amerikanischen Gerichtssäälen noch lange nicht abgeschlossen. Die Verteidiger kündigten an, das Verfahren notfalls bis vor das oberste New Yorker Gericht zu bringen. In Deutschland wüßte ich nicht, dass man sich jemals über den Einsatz von "Zeugenhunden" Gedanken gemacht oder gar diese zum Einsatz gekommen wären. Da wir hierzulande keine "Jury" in den Verhandlungen haben, die beeinflusst werden könnte, halte ich die Idee gar nicht für so dumm. Bei Zeugenaussagen bezüglich traumatisierender Ereignisse könnte man zumindest einmal darüber nachdenken.... have your say!  

"Irene" ist weg und schon wird gemotzt…

Ja, New York stand still. Gespenstische Szenen, die man auf den Bildern sehen konnte, erinnerten an "I am Legend", in denen ein einziger Überlebender durch ein komplett verwaistes New York schlendert. Leergefegte Strassen, Bürgermeister Bloomberg hatte alles evakuieren lassen, was von Lower Manhatten Meatdistrict über Brooklyn bis Queens nicht niet- und nagelfest war, Polizei brachte - ob man wollte oder nicht- Passanten in Notunterkünfte. Die Hauspostille titelt "jetzt ist alles vorbei, jetzt schimpfen die New Yorker". Tja, und wenn der Sturm nicht doch abgeschwächt - im Nachhinein als "Tropenstürmchen" klassifiert worden wäre - und doch Menschen und Häuser demoliert worden wären? (...und dass wir nicht von Panikmache reden, denn in anderen Bundesstaaten an der Ostküste gab es sehr wohl Tote und Verletzte, Zerstörung en masse!) Ich denke, dass die Bewohner New Yorks dann mit Sicherheit die Stadt, den Staat, den Bloomberg persönlich auf Schadensersatz heftigst in Anspruch genommen hätten. Und wie hierzulande durch viele Anekdoten hinlänglich bekannt, bekommen Amerikaner bei Schadensersatzklagen sehr viel mehr zugesprochen, insbesondere in Fällen, wo man sie nicht gewarnt hatte. Man erinnere sich an die Fälle mit dem Caravan-Fahrer, dem keiner gesagt hatte, dass, wenn der Tempomat eingeschaltet ist, dies nicht ausreicht, das Fahrzeug zu führen, während man sich hinten im Innenraum gemütlich ein Tässchen Kaffee kocht. Oder der Hamster in der Mikrowelle, ... oder der Kaffeebecher eines Schnellrestaurants, auf dem nicht stand, dass der Kaffee, der serviert wurde eventuell heiß sein könnte, so dass man sich die Zunge eventuell verbrennen könnte... Millionen wurden wegen der Pein zugesprochen!   Hierzulande ist man da doch viel genügsamer. Kommt heute ein Urteil des Amtsgerichts Köln (Amtsgericht Köln, Urteil vom 17.08.2011 - 261 C 289/09) in einer Schadensersatzsache über den Ticker: Mann und Frau im Auto, Geschwindigkeit war gering (10 km/h) und beim Aufprall mit einem anderen Fahrzeug trugen beide ein HWS davon. Die Versicherung des Gegners war der Ansicht "so'n Quatsch, war viel zu langsam, da kann nichts passiert sein." "Oh doch!" stellte der Gutachter fest, das geht sehr wohl. Dem Mann wurden 600,00 Euro und der Frau 700,00 Euro letztendlich zugesprochen. Tja, da können beide von Glück reden, so einen hohen Betrag zugesprochen bekommen zu haben. In Deutschland sind die Schadensersatzansprüche eben nicht wie in den USA.. und 700,00 Euro  Schmerzensgeld ist sogar etwas mehr als der Durchschnitt für leichte HWS-Distorsion. "Irene" wäre besser über Deutschland... ach nein, nicht dass die sich das anders überlegt und nach Kanada bei uns mal vorbeischaut...  

Rote Sohlen sind – zumindest in den USA- nicht eintragungsfähig!

Wie schon vor einigen Monaten bereits berichtet, klagte Louboutin in den USA gegen Yves Saint Laurent, da dieser seine Schuhe ebenfalls mit einer roten Sohle ausgestattet hatte. Die Legal Tribune Online berichtet heute, dass am 10.08.2011 eine Entscheidung gefallen sei. Dabei habe der Richter festgestellt

" (es) bestehen ernsthafte Zweifel an der Schutzfähigkeit der US-Marke. Das amerikanische Patent- und Markenamt hätte sie seiner Ansicht nach nie eintragen dürfen."
Es gebe zwar auch Markenschutz für Farben, der Käufer denke aber nicht bei der Farbe "Rot" gleich an die Schuhe von Louboutin. Auch handele es sich nicht um ein (schutzfähiges) Muster oder eine bestimmte Farbkombination. Da bereits zwei Widersprüche gegen die Gemeinschaftsmarke beim HABM eingereicht wurden, wird es spannend, inwieweit die Marke noch in der EU Bestand haben wird, bzw. wie lange. Denn wie schon im vorangegangenen Artikel beschrieben, darf man durchaus anzweifeln, ob die Marke eintragungsfähig ist. Angesichts der Entscheidung des New Yorker Gerichts kann man mit guten Argumenten auch nach europäischen Markenrecht die Eintragungsfähigkeit dann jedenfalls verneinen.

Wird durch "Protect IP" US-Seiten "das Licht ausgehen"?

Nachdem letztes Jahr das "COICA" (Combating Online Infringement and Counterfeits Act) in den USA nur knapp vor dem Inkrafttreten gescheitert ist, gibt es nun mit dem "Protect IP" Gesetzesentwurf einen neuen Versuch, Piraterieseiten abzuschalten. Man könnte auch sagen : Neuer (verschärfter) Wein in alten Schläuchen: Durch das "Protect IP" (Preventing Real Online Threats to Economic Creativity and Theft of Intellectual Property) -Gesetz wäre es nicht nur möglich, Piratenseiten aus Internetverzeichnissen/Suchmaschinen zu verbannen, sondern auch zu blocken. Darüber hinaus können auch Seiten geblockt werden, die auf die Piraterieseiten verlinken oder/und verweisen, damit keine Umgehung der Blockierung stattfinden kann. Es gibt sowohl den Behörden als auch Urheberrechtsinhabern die Möglichkeit, Seiten abzuschalten. Gleichfalls Bezahlsysteme als auch Netzwerke könnten aufgefordert werden, die jeweils unter Verdacht stehende(n) Seite(n) zu blockieren. Kritiker dortzulande sehen schon eine so weitreichende Zensur, dass das Internet dann insgesamt auf wenige Seiten zusammengeschrumpft wird, die der Regierung genehm sind. Schließlich soll zwar durch das Gesetz keine Einschränkung oder Erweiterung des Schutzes durch den DMCA (Digital Millenium Copyright Act) entstehen, jedoch ist es absehbar, dass dann Rechteinhaber unter Berufung auf das "Protect IP" auch zum Beispiel Seiten wie Youtube zu einer kompletten Abschaltung zwingen könnten mit der Begründung  "gehört abgeschaltet, denn zumindest ist die Förderung von Urheberrechtsverletzungen möglich". Soweit bei den hiesig diskutierten Netzsperren nur einzelne Seiten abgeknipst werden, hätte der "Protect IP" Entwurf zur Folge, dass komplette Netzwerke auferlegt bekommen könnten, Seiten nicht mehr darzustellen - was auch ausländische Seiten betreffen würde.   Wenn dieses Gesetz so durchkommen sollte, könnte es in vielen Bereichen des bunten Internets nun zappenduster werden- nicht nur bezogen auf Amerikanische Seiten, auch Seiten aus dem Ausland werden dort dann nicht mehr aufrufbar sein.          

Limewire macht Vergleich – $ 150 Mio für Musikindustrie

Limewire hat sich nun in einem seit 2006 andauernden Prozess mit 13 Musiklables auf einen Gesamt(lizenz)schadensersatz in Höhe von $ 150.000.000 geeinigt. Damit ist die Einigungssumme weit unter einer "Billion"/Milliardenforderung seitens der Recording Industry Association of America (RIAA) geblieben. Ein US Gericht stellte schon im Mai 2010 fest, dass Limewire nicht nur selbst Urheberrechte verletzt, sondern auch Dritten geholfen habe, Urheberrechte zu verletzen. Ein weiteres Urteil im Oktober 2010 führte zur Schließung von Limewire.  

Das Recht auf rote Sohlen

Christian Louboutin verklagt Yves Saint Laurent in New York - so die "Washington Post". Der Grund: Er hat sich die roten Sohlen, für die seine Schuhe berühmt sind, beim US Patentamt schützen lassen (wer's nicht glaubt: http://tess2.uspto.gov/ und dort nach der Nummer 3361597 suchen ;-)). Und diese durch die einstige Serie "Sex and the City" an Sarah Jessica Parker's Füßchen bekannt gewordene Sohle hat einen großen Wiedererkennungswert - auch, wenn man auf's Preisschild schaut: Solche edlen Behufungen gibt es ab 900 $  pro Paar - mit roter Sohle. Yves Saint Laurent hat nun angeblich auch die Sohlen in roter Farbe gestrichen. Und das ist Louboutin nicht Recht. Gut, rein zufällig würde wohl kein "Normalverbraucher" 1.500 $ beim Shopping versehentlich für Yves Saint Laurent ausgeben und sich erschrecken "DAS sind aber keine Louboutins". Aber rechtlich ist es eine durchaus interessante Frage. In Deutschland zumindest hat der BGH Mobilkom verboten, in "Telekom-Magenta" zu werben (Az.: I ZR 44/01 und 23/01).

"Das Recht aus einer abstrakten Farbmarke kann durch eine Werbeanzeige nur dann verletzt werden, wenn die Farbe darin als Herkunftshinweis verwendet wird. Für die Farbmarke gilt insoweit nichts anderes als für andere Markenformen (... ) Bei dieser Prüfung ist auf das Verständnis des angesprochenen durchschnittlich informierten, aufmerksamen und verständigen Durchschnittsverbrauchers abzustellen (..) Nur ausnahmsweise kann angenommen werden, daß der Verkehr eine Farbe in einer Anzeige nicht nur als Gestaltungsmittel, sondern als Herkunftshinweis auffaßt. Dazu ist es erforderlich, daß die Farbe als solche im Rahmen aller sonstigen Elemente in einer Weise hervortritt, daß sie als Kennzeichnungsmittel verstanden wird"
  Die Deutsche Telekom AG hat sich die Farbe Magenta mit der genauen Bezeichnung RAL-4010 als Farbmarke für Waren und Dienstleistungen beim DPMA unter der Registernummer 39552630.2 eintragen lassen. Louboutin hat sich hingegen "nur" die Einfärbung der Sohlen" (in den USA) schützen lassen und nicht einen bestimmten Rotton - dafür ist er der erste und weltweit bekannte Schuhhersteller, der die Sohlen lackierte. Nach kurzer Recherche stellte ich zu meinem Schrecken fest, dass die roten Sohlen als Gemeinschaftsmarke Nr. 008845539  seit 29.01.2010 ebenfalls eingetragen sind, mit bestimmtem Rotton: die Farbe "Pantone-Code18.1663TP". Wobei ich allerdings bezweife, dass diese noch lange bestehen wird - schon zwei Widersprüche sind registriert. Es stellt sich mir die Frage, inwieweit überhaupt Schutzfähigkeit bestehen kann. Denn "Sohlen" haben alle Schuhe, insbesondere bei Pumps ist die Form der Sohle als solches mehr oder weniger immer gleich - liegt vielleicht auch daran, dass Füße in der Regel 5 Zehen haben und nur in Breite und Länge variieren - sprich: Viele Möglichkeiten zur Änderung eines Sohlenprofils sind nicht denkbar, daher meiner Meinung nach auch nicht als solches schutzfähig. Und auch selbst wenn es sich bei dem Rotton um eine Farbmarke handeln würde, so wäre eine "Verwechslungsgefahr" nur bei genauer Farbidentität gegeben. (So auch ständige Rechtsprechung des BGH hierzulande (GRUR 2004, 151, 153 – Farbmarkenverletzung I ) - daher ist auch schon "Magenta" mangels "exakter Farbidentität" schon bei einigen Klagen gescheitert, "ähnlich" reicht da nämlich nicht.) Dementsprechend wundert mich schon, dass die Marke überhaupt eingetragen wurde.   Ich bin gespannt, wann ein Schuhhersteller hierzulande auf die Idee kommt, seine Sohlen im farbidentischen Marken-Magenta zu färben... ;-) ..und werde in der Zwischenzeit beobachten, was in New York weiter passieren wird.    


© Copyright 2017 | RAin Anja Neubauer Köln
Impressum